Wie man den Abend besser nicht beendet

Abends, kurz vor 23 Uhr. Mit Schaum im ganzen Gesicht verteilt, stehe ich Zähne putzend vor dem Waschbecken. Vor dem Mundausspülen fasse ich ganz automatisch in Richtung Bauch, um mein Handtuch und meine Zimmerkarte, die um meinen Hals hängt, zu fixieren, damit diese nicht in den Wasserstrahl kommen.

Moment – da fehlt doch was? Ich schaue runter. OH MEIN GOTT! Meine Zimmerkarte hängt nicht um meinen Hals. Schnell den Mund abgewischt, Sachen geschnappt und wie ein aufgescheuchtes Huhn durch das Hostel gerannt. Aber der Schlüssel lag nirgends – er war tatsächlich im Zimmer. Und wer hat die Tür von innen natürlich geschlossen? Yep, ich. Blöd. Sehr blöd.

Ihr müsst wissen, ohne die Zugangskarte kann man das Hostel weder betreten, noch verlassen. Die Schleuse ist da gnadenlos. Zur Security wäre ich also gar nicht gekommen. Die sitzt nämlich ganz vorne am Eingang. Naja, ich bin hinter der Schleuse, in meinem Wohnblock. Sehr schlecht durchdachtes Prinzip!

Das Handy lag im Zimmer, was auch sonst.

Und es war nach 22 Uhr. Ab 22 Uhr ist niemand mehr in der Administration. Wer sich ausgesperrt hat, hat also Pech gehabt. Na super, das wird also eine Nacht im Aufenthaltsraum. Immerhin werd ich nicht erfrieren.

Ich hatte mich drauf eingestellt und wusste nicht so recht, was ich tun sollte. Ich lief zu meinem Fenster. Gardine zu, nichts zu sehen. Und dann lief ich zur Tür. Ich verbog meinen Ohrring, der meine Tür nicht öffnen konnte. Und eine Zahnpastatube funktioniert leider nicht, wie z.B. eine Kreditkarte, zum Tür öffnen.

Ich ging wieder zum Fenster und rüttelte herum. Mit der Zahnpastatube würde ich nichts erreichen. Und ich hatte auch nichts brauchbares zum Türe knacken oder ähnliches dabei. Also doch der Aufenthaltsraum?

Moment – das Fenster hat doch nur einen Klippverschluss. Vielleicht geht der ja auf? Hm, ne.. aber die Scheiben – die lassen sich leicht bewegen. Ihr müsst wissen, dass die Scheiben oben und unten nur in einer Art Schiene sitzen, sodass das Fenster durch Schieben nach links/rechts geöffnet wird. Der Verschluss ist nur ein kleiner Haken, den man durch Nach-Oben-Drehen öffnet. Auf dem Foto seht ihr ihn im geschlossenen Zustand.

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Wildes gegen-den-Haken-Geschiebe brachte gar nichts. Aber ich konnte die Scheibe soweit anheben, dass ich den Haken umgehen konnte und das Fenster aufbekam.

Hallelujah!

Über die Klimaanlagenvorrichtung kletterte ich soweit rein, dass ich an meinen Schlüssel kam, der seelenruhig am Schrank, in Fensternähe, hing.

Und dann konnte ich seelenruhig in mein Zimmer. Als sei nichts gewesen.

Hoffentlich hat das keine Kamera aufgezeichnet.

Deutscher Gast steigt in Hostel-Zimmer ein

Michelle

8 Kommentare zu „Wie man den Abend besser nicht beendet

  1. Haha, das kann ich mir lebhaft vorstellen! Ich hätte wahrscheinlich jede Woche mal den Schlüssel vergessen… Am Anfang Panik, dann wildes Ausprobieren – und wow, Du hattest ja echt Glück, Durchhaltevermögen und Geschick. Klasse!

  2. Hahaha, ich muss zugeben, eine Kamera-Aufzeichnung davon hätte ich echt gern gesehen :3. Super Beitrag und echt Spitze formuliert. Ich hätte mir aber gerne ein paar Bilder mehr gewünscht fürs bessere Vorstellen :).
    Viele liebe Grüße
    Reyfakt vom Blog des Lebens

    1. Vielen Dank 😀
      Nun ja.. Kamera und Handy befanden sich im Zimmer, während ich vor dem Zimmer war 😀
      Da waren Fotos etwas schwierig.. vielleicht sollte ich bei der Security nach Videoaufzeichnungen fragen :’D
      Liebe Grüße!

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