#DBakel: Sturmtief Sabine schlägt zu

Wer während eines angekündigten Sturms mit dem Zug fährt, hat selbst Schuld, wenn er irgendwo strandet. Sturmtief Sabine hat mich neue Dimensionen des #DBakels gelehrt. Und diese möchte ich mit euch teilen.

Bitte seht das Ganze mit einem Augenzwinkern, ich mache der Bahn keinen Vorwurf. Das Wetter ist eine höhere Macht und Sicherheit geht vor. Bitte bedenkt das selbst wenn Züge aufgrund eines Orkans o. ä. ausfallen. Stellt euch immer vor, was passieren könnte, wenn der Zug entgleist, ein Baum AUF den Zug kracht und Co.

Gleis 5, Einfahrt IC 2258 nach Aachen über Hannover Hbf

Mein Freund verabschiedete mich am Gleis, danach stieg ich in den Zug. Bis mein Zug startete, stand er vor dem Fenster, machte Grimassen, winkte mir und zum Abschluss gab es ein Luftküsschen.

Der Zug rollte los in Richtung Hannover und ich legte ein Nickerchen ein. Im Halbschlaf bemerkte ich, dass wir in einem kleinen Bahnhof hinter Berlin hielten. Ich dachte mir nichts dabei und döste weiter. Nur wenig später sah ich aus dem Fenster und wir standen in einem Waldgebiet irgendwo zwischen Berlin und Magdeburg. Und es tat sich nichts.

Ein Blick auf mein Handy verriet mir: ich hatte weder Netz noch Empfang. Die Fahrgäste wurden ungeduldiger und wir warteten auf Informationen. Irgendwann kam eine Durchsage: „Sehr geehrte Fahrgäste, vor uns liegt ein Baum auf dem Gleis. Dieser hat die Oberleitung getroffen und beschädigt. Aufgrunddessen haben wir keinen Strom mehr. Bitte verfallen Sie nicht in Panik, falls das Licht ausgeht, die Heizung runterfährt und die Toiletten ausfallen. Weitere Informationen kann ich Ihnen leider noch nicht geben.“

#DBakel: Waldgebiet
Warten im Waldgebiet

Lautes Stöhnen, Gemeckere und Anrufe machten sich breit. „Gudrun? Gudrun kannst du mich hören?“, schallte es durch das Abteil. Viele nutzten die Chance und eilten zur Toilette, bevor diese ausfallen würde. Eine weitere Durchsage kündigte an, dass wir wohl eine Weile festsitzen würden. Denn ohne Strom könnten wir nicht weiterfahren, eine dieselbetriebene Lok müsste uns also abholen. Da eine längere Wartezeit einzurechnen sei, würde Wasser gestellt werden. Im Boardbistro könnte man sich ein alkoholfreies Getränk gratis abholen.

„Gudrun? Ja? Kannst du mich hören, Gudrun?“ Gelächter entstand.

Ich hatte Glück, dass ich gute Literatur dabei hatte. An dieser Stelle mach ich deshalb ein bisschen Werbung für Marian Grau und sein Buch „Bruderherz“. Seine Abenteuer findet ihr auf GeoMarian.

Wenn einer eine Reise tut und auf Sturmtief Sabine trifft

„Gudrun, hörst du mich?“ Mittlerweile war die Dame die mit Gudrun telefonieren wollte der Running Gag. Gespräche entstanden, zwei junge Männer vor mir setzten sich zusammen um auf der Switch zu spielen. Ein Herr hinter mir kniete sich zum Gebet auf den Zugboden. Die Dame neben mir las in einer Zeitschrift und die Dame vor ihr murrte mehr, als alles andere.

Einer der jungen Männer vor mir versuchte seinen Kumpel zu erreichen. Als die Verbindung nicht so gut war, rief er amüsiert: „Gudrun, hörst du mich?“ Er hatte die Lacher auf seiner Seite.

Der aktuelle Stand war, dass wir nach einer bereits vergangenen Stunde, noch zwei Stunden auf eine Lok warten sollten. Die Diesellok sollte aus Leipzig angetuckert kommen. Rettung nahte, aber sie dauerte. Währenddessen sah man nach und nach Autos neben dem Waldgebiet entlangfahren. Ein Techniker sah sich den Schaden an der Oberleitung an, ein anderer Mann lief mit einer Kettensäge in Richtung des Baumes.

Eine neue Information folgte und die Lok sollte nun aus Brandenburg kommen. Doch sie sollte uns nicht in Richtung Magdeburg ziehen.. nein, wir sollten an den Bahnhof Brandenburg gezogen werden.

Mit meinem Handy pilgerte ich durch den Zug, sodass ich Empfang zum Telefonieren bekam. Ich informierte meinen Freund, sodass wenigstens einer wusste, wo auf dieser Welt ich gerade stecke.

Nach geschlagenen drei Stunden, durchlöcherten Zugbegleitern, ausgeteilten Fahrgastrechten und einem Marzipanstück von einer Mitleidenden rollte der Zug los. Die Diesellok war da und zog uns in Richtung Brandenburg. Ein kleiner Zwischenstopp wurde eingelegt und ca. 20 Minuten später waren wir in Brandenburg. Von dort aus sollten wir mit einem Ersatzsbus nach Magdeburg gefahren werden. Wie es dort weitergehen sollte, würden wir an dem Bahnhof erfahren.

Zugausfälle wegen Sturmtief Sabine
Zugausfälle wegen Sturmtief Sabine

Reisen mit Bus und Bahn

In unserem Zug wurden 132 Mitfahrende gezählt. Diese eilten durch den Brandenburger Bahnhof in Richtung Vorplatz, wo die Busse warten sollten. Es war mittlerweile viertel nach fünf und wir standen im etwas windigen Brandenburg. Sturmtief Sabine war nicht so richtig anwesend, auch wenn wir die Auswirkungen spürten.

Ich stand dort mit den Menschen, die im Zug um mich herum saßen und wir plauderten. Eine junge Frau besorgte sich aus Magdeburg eine Mitfahrgelegenheit nach Hannover. Ob sie diese erreicht hat, kann ich nicht sagen. Denn die Busse kamen und kamen nicht. Und wir standen ungefähr eine dreiviertel Stunde in der Kälte bis ein Doppeldeckerbus kam. Dieser wurde bis zum letzten Platz und mehr gefüllt, Gepäck wurde im Gepäckfach verstaut und wir saßen gemütlich beisammen. Die übrigen 12 Menschen (ich weiß nicht genau, wie viele am Bahnhof standen) ergatterten sich ein warmes Plätzchen in dem zweiten Bus. Bevor wir starteten, stieg eine junge Dame in den Bus und fragte, ob jemand nach Düsseldorf müsse. Der Plan war mit dem Zug zurück nach Berlin zu fahren um sich dort ein Auto zu mieten und bis nach Düsseldorf zu fahren. Was für ein wahnsinniger Plan!

Unser Bus wehte über die Autobahn und wir waren nach einer guten Stunde in Magdeburg. Online hieß es, dass wir mit der Westfalenbahn über Braunschweig fahren könnten. Meine BegleiterInnen hätten in dem Zug bis Bielefeld sitzen bleiben können. Ich wäre in Hannover in den Regio nach Bremen umgestiegen und danach in die NWB nach Oldenburg.

Der schon stark leergekaufte Bäcker wurde von unserer kleine Reisetruppe gestürmt und wir deckten uns mit Proviant und Getränken ein. Anschließend machten wir uns auf zu unserem Gleis und warteten gespannt auf die Westfalenbahn. Diese hatte Sturmtief Sabine getrotzt und fuhr pünktlich in den Bahnhof ein.

Sturmtief Sabine: Frühstück im Hotel
Frühstück im Intercity Hotel Braunschweig

Alle Wege führen nach Rom… oder Braunschweig dank Sturmtief Sabine

Mampfend saßen wir in der Bahn und näherten uns unseren Zielen immer mehr. Ich checkte online nochmals alles ab. Und wir hatten uns eindeutig zu früh gefreut. Mit Erschrecken musste ich feststellen, dass die Bahn nach Bielefeld über Hannover nicht fahren sollte. Der Fernverkehr war ab 18:00 Uhr sowieso komplett eingestellt (wir hatten es mittlerweile 19:33 Uhr). Die Schaffnerin machte uns ebenso wenig Hoffnung und wollte selbst nur wieder in Richtung Magdeburg zurückkommen. Die Arme hatte sogar eine Nachtschicht vor sich! Ihr Rat war lediglich: „Geht in Braunschweig zum Service! Ich rufe dort an, ob noch jemand da ist.“

Relativ stillschweigend fuhren wir ein Stündchen zum Braunschweiger Hauptbahnhof. Dort gingen wir geschlossen zur Information. So viele Menschen wie erwartet, standen dort gar nicht. Wir stellten uns in die Schlange und warteten. Eine Durchsage nach der anderen zählte die Züge auf, die alle ausfallen würden. Und diese Ansagen wiederholten sich immer und immer wieder. Hätte man ein Trinkspiel draus gemacht, wären wir danach betrunken gewesen. Und wir haben nur ca. 10 – 15 Minuten gewartet.

Sturmtief Sabine: Zugausfälle

Es wurden verzweifelt Grüppchen für Fahrgemeinschaften gesucht. Nach Berlin, nach Bielefeld, nach nirgendwo. Taxigutscheine wurden nicht herausgegeben, außer bis maximal Hannover. Was genau die Bielefeld-Truppe dann plante, weiß ich gar nicht genau. Ich konnte auf jeden Fall endlich zur Information. Dort wurde mir geraten, die Nacht in Braunschweig zu bleiben. Es wurde ein Zug am Gleis zur Verfügung gestellt, sodass man nicht in der Kälte bleiben müssten. Meine beste Freundin hatte eine Schlafmöglichkeit in Braunschweig ausgemacht, und dank meinem Freund hätte ich auch in Hannover jemanden gehabt.

Aber auf all das musste ich nicht zurückgreifen: ich bekam einen Hotelgutschein inklusive Frühstück ausgehändigt. Ein Weiterkommen war an diesem Abend schier unmöglich. Also machte ich mich auf zum IC Hotel direkt gegenüber vom Bahnhof.

Eine gratis Hotelübernachtung und leckeres Frühstück dank Sturmtief Sabine

Ein bisschen Dankbar bin ich Sabine. Denn ich bekam ein schniekes Hotelzimmer mit einem gemütlichen Bett. Ich konnte Fernsehen, hatte ein Badezimmer und musste nicht in der Weltgeschichte die Nacht verbringen.

Meinen Unikurs am Montag konnte ich nicht wahrnehmen, deshalb meldete ich mich per Mail ab. Mein Liebster rief mich an um sich zu erkundigen, wie es mir ginge. Den Abend konnte ich entspannt ausklingen lassen.

IC Hotel Braunschweig
Hotelzimmer Braunschweig

Ein neuer Tag brach an und ich startete mit einem leckeren Frühstücksbuffet. Hagel klopfte an die Fensterscheiben und ein dicker Blitz erhellte den Himmel. Danach war es, als wäre nichts gewesen.

Gegen 10 Uhr checkte ich aus und schlenderte über den Parkplatz zum Bahnhof. Einige Züge fuhren noch immer nicht. Deshalb fragte ich kurz an der Information wie die Lage sei. Und ich kam tatsächlich problemlos nach Oldenburg. Mit ungefähr 19 Stunden Verspätung kam ich in meiner Wahlheimat an und wurde mit Regen und Wind begrüßt.

Danke für das Abenteuer, Sturmtief Sabine!

 

PS: Ich bin einfach froh, dass nichts schlimmes passiert ist. Keine Bäume auf den Zügen, es wurde in meinem Umfeld keiner verletzt. Und danke an die Bahnmitarbeiter, die alle Fragen beantworteten und sich, soweit es in ihrer Macht stand, wirklich nett kümmerten!

 

Mehr #DBakel gefällig?

Nicht nur Sturmtief Sabine zog ein #DBakel mit sich, diese erlebe ich regelmäßig. Schaut für meine anderen Abenteuer auf meiner #DBakel Seite vorbei.

 

13 Kommentare zu „#DBakel: Sturmtief Sabine schlägt zu

  1. So geil! Als Bahn-Vielfahrerin habe ich echt geschmunzelt. Zumal ich am Montag (10. Februar) exakt in Braunschweig gestartet bin, mit dem Ziel Bonn. Für übliche 4,5 Stunden habe ich 8,5 Stunden gebraucht, aber ohne Übernachtung, dafür mit 1,5 Std. Aufenthalt am “schönen” Bhf. Hamm/Westfalen, weil erst der dritte ICE weiterfuhr. Dann aber nach Duisburg, von wo ich endlich nach Bonn kam. Danke an “Sabine” und die Deutsche Bahn
    LG, Simone

  2. Die Bahn. Mein Lieblingsthema. Ich habe ja auch schon über Kapriolen geschrieben. Mich und meine Freundinnen erwischte der Sturm vorletztes Jahr bei unserer Rückreise von Bern. Da lag auch ein Baum quer und es ging nichts mehr. Da wir aber glücklicherweise einen durchgehenden Zug gebucht hatten, saßen wir im Trockenen und mussten halt nur der der Dinge harren, die zur Weiterfahrt erledigt werden mussten. Mit Umweg und 2 Stunden Verspätung kamen wir dann sicher daheim an.

    LG Liane

  3. Aber eines ist sicher: diese Reise wirst du nie wieder vergessen . Und immer wenn du in deinem Leben den Namen Gudrun hörst wird es dich zum Lächeln bringen. Uns ging es letztes Jahr übrigens einmal so ähnlich beim Flug nach Zypern und das ganz ohne Sturmtief. Wir hatten 24 Stunden Verspätung.

    1. Liebe Tina,
      Ja da hast du wohl Recht. Werde immer an Gudrun denken müssen bzw. daran 😀
      Ui, das ist sicher auch anstrengend..

  4. Oh jeeee, da hat es dich ja wirklich erwischt. Aber du hast Recht, es hätte natürlich viel schlimmer kommen können und für das Wetter kann die DB ausnahmsweise mal nix. (Für eine Menge anderes aber schon…) Ich muss gestehen, ich habe mich über Sabine richtig gefreut, denn so konnte mein Freund nicht zurück zur Arbeit fahren und musste bei mir in Köln bleiben! 😀

    Liebe Grüße
    Anuschka

    1. Haha, ja da sagst du was.
      Ich wäre auch eher zu meinem Freund gekommen (der problemlos aus Berlin nach Hause kam).
      Hätte ich das gewusst, wäre ich auch einen Tag länger im Osten geblieben 🙂

  5. Puh, die Wetterkapriolen halten uns ganz schön in Atem und ich befürchte, es wird noch wesentlich schlimmer.
    Gut nur, dass am Ende alles gut ausgegangen ist und du „irgendwann“ angekommen bist.

    Per Auto wäre es sicher nicht besser gewesen.

    Liebe Grüße, Katja

  6. „Gudrun, hörst Du mich?“ *lol* Wenn ich Dir jetzt sage, dass ich eine Gudrun kenne und die eh schon pausenlos der Running Gag ist, wird die Geschichte nochmal spaßiger – zumindest für mich *gg*

    Aber tjoa, die deutsche Bahn, was soll man dazu noch sagen. Entweder ist es zu heiß, zu kalt, zu stürmisch oder zu wasweißich. Es hat schon Gründe, warum ich lieber mit dem Auto zum Flughafen fahre, anstatt die Bahn zu nehmen. Da weiß ich wenigstens, dass ich pünktlich ankomme. Bei der DB kann ich mir ja niemals sicher sein, ob ich den Flieger überhaupt noch erreiche.

    1. Naja, für den Baum auf den Gleisen und den deshalb resultierenden Stromausfall konnte die Bahn wirklich nichts. Und dass der Fernverkehr eingestellt werden sollte, das war auch vorher bekannt. Da hatte ich dann auch schon selbst Schuld.
      Bin einfach froh, dass mir kein Baum auf den Zug gefallen ist. Bin eigentlich sehr gerne mit der Bahn unterwegs.

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