Homosexualität und Reisen

Was haben Sudan, Katar, Saudi-Arabien, Jemen, Pakistan, Afghanistan, Iran, Irak, die vereinigten arabischen Emirate, Brunei und Mauretanien gemeinsam? Es gilt die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen. Auch Nigeria, Somalia und Syrien setzen die Todesstrafe in einigen Landesteilen um. Einige andere Länder geben Gefängnisstrafen oder auch Peitschenhiebe (z.B. Bhutan, Algerien, Malaysia, Malediven), in manchen Ländern wird Propaganda für Homosexualität bestraft. Zu letzteren gehören z.B. Indonesien, Russland und Litauen. Daher ist es wichtig sich mit Homosexualität und Reisen zu beschäftigen.

Leider sind viele Länder auch heutzutage noch nicht sicher für die LGBTQI+ Community. Es gibt viel zu oft Meldungen, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gefoltert, eingesperrt oder umgebracht werden. Aber was kann man gegen Liebe haben?

Homosexualität und Reisen: Gay Travel Index 2018 und 2019

Viele Menschen die nicht der „Heteronorm“ entsprechen, überlegen zweimal in welches Land sie reisen. Einschränkung, Angst vor Gewalt, Hass und Diskrimierung sind ein großer Punkt. Erst im April 2019 wurde die Todesstrafe in der Brunei wieder aufgenommen. Männer können zu Tode gesteinigt werden, während Frauen mit 10 Jahren Haft oder 40 Peitschenhieben bestraft werden können.

Eine genaue Auflistung aller Länder und wie sicher diese für die LGBTQI+ Community sind, findet ihr unter dem Gay Travel Index. Der Gay Travel Index vergleicht derzeit 197 Länder miteinander in verschiedensten Kategorien. Im Anschluss werden die Länder nach „homofreundlich“ und „homofeindlich“ gelistet. Somit können sich queere Reisende einen Überblick verschaffen, in welchen Ländern sie sicher reisen können.

Homosexualität und Reisen: Gay Travel Index 2018
Gay Travel Index 2018: die sichersten und die unsichersten Länder 2018
gay travel index 2019
Gay Travel Index 2019: Deutschland ist auf Platz 23 abgerutscht

Homosexualität auf Reisen

Wie steht ihr zu Homosexualität auf Reisen? Meidet ihr Länder, in denen die Todesstrafe auf Homosexualität steht? Reist ihr dort hin, ohne darüber nachzudenken?

Folgendes Szenario: Ihr seid mit eurem Partner oder eurer Partnerin vor einer Sehenswürdigkeit. Ein gemeinsames Foto ist ein Muss, wieso also nicht ein süßer Schnappschuss, auf dem ihr euch küsst oder Händchen haltet? (Ausgenommen sind Länder, in denen das öffentliche zur Schau stellen der Beziehung sowieso sehr kontrovers ist.)

Für heterosexuelle Menschen eigentlich kein Problem, für Homosexuelle kann dies zum Problem werden. Alleine solche Nichtigkeiten können für Aufruhr sorgen. Unglaublich, oder?

Ich war selbst in Singapur, Malaysia und in Indonesien. Ich selbst habe mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt, habe aber tatsächlich vor meiner Reise nach Asien Regenbogenaccessoires und ähnliches aus dem Gepäck entfernt. Zu groß war die Angst, dass ich Probleme kriegen würde. Und das, obwohl ich selbst in einer heterosexuellen Beziehung lebe. Man hat das schon irgendwie im Hinterkopf. Und Länder, die die Todesstrafe auf Homosexualität ausüben versuche ich zu meiden.

ABER: da mir oft unterstellt wurde, dass ich mit diesem Beitrag aufrufe, dass Menschen es mir gleichtun sollen die Länder zu meiden, möchte ich klarstellen, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, wohin die nächste Reise geht. Ich möchte lediglich einen Denkanstoß geben, dass man sich mit der Lage in dem zu bereisenden Land auseinandersetzen sollte.

Ich habe sogar in meinem Lebenslauf meiner Bewerbung für mein Auslandssemester in Singapur den CSD Oldenburg aus meinem Ehrenamt gestrichen. Eigentlich ist das doch unfassbar traurig, oder? Aber auch meine Chefin in Deutschland stand ebenfalls hinter dieser Entscheidung.

Umso schöner und wichtiger finde ich die Aktion des Katzencafés Neko No Niwa in Singapur. Dieses setzt sich nicht nur für den Schutz von Tieren ein, ihr Motto ist „Adopt, don’t shop!“. Auch kümmert sich das Café toll um sein Personal. Sie bieten einen diskrimierungsfreien Arbeitsplatz und haben im Juli 2019 mithilfe von PacaMerch ihre eigene Purride-Merchandise Reihe herausgebracht. Neben T-Shirts die eine Love is Love Aufschrift tragen, bieten sie Buttons und Sticker an und haben eine große „Love-Wall“ zum Fotografieren in ihrem Café aufgehängt.

Michelle trägt schwarzes T-Shirt mit Love is Love Aufschrift
Love is Love T-Shirt vom Neko no Niwa

Es gibt zwar einen CSD in Singapur, an diesem dürfen aber ausschließlich Einheimische und permanent Residents teilnehmen. Als Tourist besteht die Möglichkeit verhaftet zu werden. Aber immerhin ist ein CSD dort möglich. Kleine Schritte können großes bewirken.

Erhebt eure Stimmen für mehr Akzeptanz und Toleranz

Deshalb ist es wichtig aufzustehen und für Gleichberechtigung zu kämpfen. Immer mehr Länder öffnen die Ehe für Alle oder nehmen ein Antidiskriminierungsgesetz für die sexuelle Orientierung ins Gesetz auf. Leider entwickelt sich nicht alles nach vorne, wie das Beispiel der Brunei gezeigt hat. Deshalb ist es so wichtig weiter auf die Straße zu gehen oder eure Stimmen zu erheben. Supportet euch, zeigt Liebe und Akzeptanz.

11 Kommentare zu „Homosexualität und Reisen

  1. Jeder egal welche sexuelle Ausrichtung er hat sollte es sich zweimal überlegen in die aufgezählten Länder zu reisen, denn auch viele andere Dinge werden dort mit drastischen Strafen belegt. Machen wir uns nichts vor, auch viele die sich nach Europa flüchten bringen diese Einstellung mit, was sich in den Übergriffen leider auch zeigt.
    Alles Liebe
    Annette

    1. Ich denke, das muss jeder selbst entscheiden. Es muss definitiv etwas passieren und man muss die Leute aufklären.
      Es gibt immer schwarze Schafe, in jeder Religion/Nationalität/Sexualität..

  2. Ich finde es so traurig, dass Homosexuelle sich bei der Reiseplanung mit sowtwas auseinandersetzen müssen! Hoffentlich verbessert sich das in den nächsten Jahren weltweit.
    LG Lara

  3. Da kann ich Lara nur zustimmen, es ist sehr traurig, dass es in unserer heutigen Zeit immer noch so problematisch ist, zu lieben, wen auch immer das Herz begehrt. Und auch noch Angst vor Todestrafen haben zu müssen, wenn man gemeinsam die Welt sehen und wie normaler Hetero-Paare erleben möchte. Dass es da ein paar Länder auf der Welt gibt, die das gar nicht gern sehen, wusste ich. Aber doch soviele?

    Liebe Grüße
    Jana

  4. Ich finde es so krass, dass es so etwas im 21. Jahrhundert immer noch gibt/geben kann. Den Tourismus in diese Länder würde ich aber nicht boykotieren. Denn darunter leidet ja nicht in erster Linie die Regierung, sondern die Bevölkerung, die vielleicht vom Tourismus lebt. Ählnich wie in der Türkei …
    Ich war allerdings auch noch nie in einem der Länder und habe eigentlich auch noch nie bewusst darüber nachgedacht.

  5. Dass die sexuelle Orientierung überhaupt zur Gefahr werden kann ist einfach unaussprechlich schade. Eigentlich möchte ich gar nicht in einer Welt leben, in der Menschen aufgrund von Orientierung, Hautfarbe oder anderem diskriminiert werden. Wäre ich in dieser Position, müsste ich wohl auch meine Urlaubsziele danach ausrichten, was wirklich unfassbar ist.

  6. Ich finde es auch so unglaublich wichtig, dafür aufzustehen und für Gleichberechtigung zu kämpfen. Gerade im Jahr 2019, bald 2020 – wo man glaubt, wir sollten schon viel weiter sein. Es tut weh, zu sehen, wie es noch immer in anderen Ländern ist. Genau deswegen, sollten auch mMn die dafür aufstehen und für Toleranz kämpfen, die es können! Für die „Stillen“ quasi.

    Liebste Grüße,
    Alice von http://www.alicechristina.com

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