Dark Tourism: Tod und Elend als Attraktion?

Ein Ausflug nach Auschwitz oder Fukushima? Die verlassene Stadt Prypjat oder die Havarie der Costa Concordia erkunden? Das AIDA Flüchtlingscamp in Bethlehem. Dies sind nur wenige Beispiele des sogenannten schwarzen Tourismus (dark tourism).

Meine Blogparade zum Thema Schwarzer Tourismus kam sehr gut an und ihr könnt in der Zusammenfassung alle teilnehmenden Beiträge und die Ansichten anderer Blogger lesen. Doch auch in diesem Beitrag möchte ich euch weitere Erfahrungsberichte anderer Blogs vorstellen.

Schwarzer Tourismus – Erfahrungsberichte

In diesen Beiträgen beziehen die Autoren häufig auch Stellung, warum sie diesen Besuch unternommen haben. Und genau das finde ich spannend hinter den Besuchen von Orten, an denen Katastrophen, Tode und Elend stattgefunden haben.

Hiroshima und das KZ Auschwitz-Birkenau

Reisen bereichert. Reisen lehrt. Reisen öffnet dir die Augen.

Genau aus solchen Gründen muss es nicht immer eine Reise zu den schönsten Orten auf diesem Planeten sein. Manchmal braucht es auch etwas mehr an Geschichte und Kultur.

So ist es interessant, einen Besuch im KZ Auschwitz-Birkenau zu machen und vor Ort zu sehen, was damals vorgegangen ist. Es nur ansatzweise versuchen zu fühlen und zu verstehen, wie es den Menschen gegangen ist.

7 KONTINENTE steht für authentisches Reisen und so ist es auch manchmal nötig, eine weniger schöne aber mindestens genauso interessante Seite dieser Welt zu sehen. Wie z.B. einen Ausflug nach Hiroshima.

Diese Worte findet ihr unter Igors Beitrag zu seinem Besuch in Hiroshima, in denen er auch auf seinen Besuch im KZ Auschwitz-Birkenau verweist.

Auschwitz-Birkenau
KZ Auschwitz-Birkenau, Quelle: pixabay.com

Tschernobyl und Prypjat

Jens von overlandtour war vor einigen Jahren in Tschernobyl und in Prypjat. Er schreibt folgendes zu seinen Beweggründen für diese Tour:

Ich war 15 Jahre alt und am 29. April 1986 kamen die ersten Nachrichten des „Super GAU“ in den Medien auf. Drei Tage zuvor am 26. April kam es nach der Explosion des Reaktor 4 in Tschernobyl zur Kettenreaktion und somit zur Kernschmelze. Zu dieser Zeit hatten schon die ersten Helfer ihr Leben gelassen um eine viel viel größere Katastrophe abzuwenden. Ich hatte damals das Gefühl, dass wir gar nicht die Auswirkungen irgendwie abschätzen konnten oder gar verstanden was dort passierte. Aber eins fühlte jeder zu dieser Zeit – Unsicherheit. Jetzt ist die Zeit gekommen, diesen Ort der Unsicherheit aufzusuchen um selber festzustellen wie sich dieser Ort anfühlt.

Chernobyl: unzählige Gasmasken auf dem Fußboden, eine Gasmaske ist durch einen Fernseher sichtbar
Tschernobyl, Quelle: pixabay.com

Oft sind es junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren, die in ihrem Urlaub einen Nervenkitzel suchen, die sich mit dem Geigerzähler in der Hand filmen und darauf warten, dass er ausschlägt

Professor Heinz-Dieter Quack, Quelle: express.de

Ein Tag im Sperrgebiet

Ebenfalls in Tschernobyl waren Kati und Hermann von Bunt um die Welt. Auch auf sie traf viel Unverständnis, als sie Familie und Freunden ihr Vorhaben eröffneten. Dark Tourism ist sehr umstritten. Sie erzählen auf ihrer Seite von ihrem Tag im Sperrgebiet.

Als wir Freunden, Familie und Bekannten erzählen, dass es genau das ist, was wir unbedingt in der Ukraine erleben wollen, steht einigen die Fassungslosigkeit und das Unverständnis direkt ins Gesicht geschrieben. 

Warum wollt ihr dorthin? Was macht man dort? Ruinen anschauen? Ist das nicht gefährlich mit der Strahlung? Kopfschütteln.

Nur ein kleiner Teil konnte unser Interesse teilen. Verständlich. Jedoch stand für uns ab dem Moment fest, als wir wussten, dass wir die Ukraine bereisen, dass wir das alles mit unseren eigenen Augen sehen wollten. Diesen einschneidenden Tag in der Geschichte der Menschheit, der so grausam war, dass er schwer in Worte zu fassen ist.

Die Katakomben von Paris

Andrea und Christine berichten auf andytravels über ihren Besuch in den Katakomben von Paris. Mit einem Audioguide bewaffnet erkundeten sie die unterirdischen Gänge.

Wenn ihr unter Platzangst leidet oder euch nicht sicher seid, ob das was für euch ist – lasst es lieber! Es ist wirklich eine sehr gruselige und makabre Tour. Die Temperatur da unten liegt das ganze Jahr über bei konstant 14 Grad.

dark tourism: Katakomben von Paris, Wand aus menschlichen Knochen
Die Katakomben von Paris, Quelle: pixabay.com

Genocide Memorial Center in Murambi

Das Genocide Memorial Center in Murambi ist schwieriger in der deutschen Bloggerszene zu finden. Dazu fand ich einen Erfahrungsbericht aus 2013 auf einem Blog namens Fabian(?).

Der Guide erzählt uns die Geschichte Murambis während wir vor einem der Massengräber stehen. Es hat eine Türe, da manchmal immer noch Leichen auftauchen. […] Er führt uns zum ersten der Nebengebäude. Rund 1.000 Leichen wurden mit einem Leimpräparat konserviert. In jedem Raum der Nebengebäude sind Leichen zur Schau gestellt. Hauptsächlich Frauen und Kinder. Bei einigen kann man erkennen wo sie von der Machete getroffen wurden, manche haben noch Haare, bei vielen hat man das Gefühl einen Gesichtsausdruck erkennen zu können. Der Geruch ist sehr intensiv, ich nehme an, dass es an den Chemikalien liegt.

Dark tourism: mumifizierte Körper im Genocide Memorial Center
Mumifizierte Körper im Genocide Memorial Center, Copyright: Julie Dermansky©2005

Havarie der Costa Concordia

Zur Costa Concordia gibt es einen kurzen Artikel auf Spiegel.de. Dazu habe ich keinen Blogbeitrag gefunden. Falls jemand einen hat und ihn mir zur Verlinkung zur Verfügung stellen würde, schreibt es gerne in die Kommentare.

Dark tourism: Costa Concordia
Costa Concordia, Quelle: pixabay.com

Dark Tourism – meine Meinung

Ihr seht, der sogenannte schwarze Tourismus ist breit gefächert und es werden viele Touren angeboten. Ich selbst bin auf dieses sehr spannende Thema durch Zufall getroffen. Klar wusste ich, dass es geführte Touren nach Tschernobyl und Co gibt, jedoch kamen wir in einem Gespräch in der Kaffeerunde auf der Arbeit auf solche Reiseziele. Dabei fiel der Name der Serie/Dokumentation „The Dark Tourist„. Es wurde etwas darüber berichtet und zuhause habe ich mehr über die Serie recherchiert. Es klang sehr interessant und daher wollte ich mich mehr mit dem Thema beschäftigen.

Ich selbst finde die Thematik sehr spannend, kann aber die Skepsis und das Unverständnis anderer gegenüber solcher Vorhaben ebenfalls verstehen. Dark Tourism ist ein sehr zwiegespaltenes Thema und jeder sollte für sich selbst entscheiden, ob er oder sie eine solche Tour machen möchte. Ich selbst wäre an einer Tschernobyl Tour interessiert. Ich denke wichtig ist hierbei die Absicht hinter so einem Besuch. Denn wenn es nur reine Sensationsgeilheit ist oder man ein schickes Selfie für Instagram schießen will, dann bin ich strikt dagegen. Aber zu Aufklärungszwecken und zum Aufarbeiten, finde ich solche Besuche tatsächlich sinnvoll.

 

 

3 Kommentare zu „Dark Tourism: Tod und Elend als Attraktion?

  1. Wirklich spannend, die Beweggründe für so eine Reise zu lesen. Ich denke auch, dass man da viel draus lernen kann, aber man sollte solche Orte eben nicht aus reiner Sensationsgier besuchen.

  2. Ich war auch schon mal in einer Katakombe in Rom und auf den Culloden-Schlachtfeld in Schottland, aber Tschernobyl und Auschwitz würde ich mir nicht als „Tourist“ anschauen wollen.

    Liebe Grüße
    Jana

  3. Im Prinzip ist das ja nichts neues, nur das die Schauplätze nicht historisch sind. Wer Pompeii, Beinhäuser oder eine Krypta in eine Kirche besucht tut schon seit Urzeiten dasselbe. Für mich sind aber Ziele wie Tschernobyl und Co. nicht attraktiv.

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